Ein Bedienfeld soll reagieren, wenn eine Eingabe gewollt ist – und möglichst nicht, wenn Wasser, Schmutz, Handschuhe, Vibrationen oder andere Umwelteinflüsse ins Spiel kommen.
Was einfach klingt, kann bei der Entwicklung industrieller Human-Machine-Interfaces schnell zur Herausforderung werden. Denn Fehlauslösungen sind nicht nur ein Ärgernis für den Anwender. Sie können zusätzliche Risiken bei Entwicklung und Validierung verursachen, die Abnahme erschweren und im schlimmsten Fall zu Reklamationen im Feld führen.
Genau hier setzt Agnostic Hybrid an.
Die Technologie kombiniert kapazitive Tastenauswertung mit der druckbasierten Agnostic Touch Technologie. So entsteht eine Eingabelösung, die Berührung und bewusste Betätigung miteinander verbindet.
Touch erkennt. Force Touch bestätigt.
Kapazitive Touch-Technologie erkennt, wenn ein Anwender eine definierte Fläche berührt. In vielen Anwendungen ist das vollkommen ausreichend.
Doch was, wenn eine Berührung allein noch keine Funktion auslösen soll?
Agnostic Hybrid ergänzt die kapazitive Erkennung um einen Kraftsensor. Dadurch können zwei unterschiedliche Interaktionsschritte voneinander unterschieden werden:
1. Berühren und auswählen
Die kapazitive Sensorik erkennt, welche Funktion der Anwender anwählt.
2. Drücken und bestätigen
Erst die bewusste Betätigung mit einer definierten Kraft bestätigt die Eingabe.
Aus einer einfachen Touch-Funktion wird damit eine zweistufige Bedienlogik: Vorauswahl und Bestätigung.
Besonders bei kritischen oder folgenreichen Funktionen kann dieser zusätzliche Schritt entscheidend sein.
Wenn eine zufällige Berührung keine Aktion auslösen soll
Feuchtigkeit auf dem Bedienfeld. Ein Handschuh. Schmutz. Vibrationen an einer Maschine.
Im industriellen Alltag treffen Bedienoberflächen auf Bedingungen, die mit der kontrollierten Umgebung eines Smartphones wenig gemeinsam haben.
Die bewusste Force-Touch-Bestätigung hilft dabei, unbeabsichtigte Auslösungen unter solchen Umgebungsbedingungen zu reduzieren. Eine Funktion muss nicht bereits auf den ersten erkannten Kontakt reagieren, sondern kann eine gezielte Betätigung verlangen.
Das macht die Bedienlogik robuster und kann gleichzeitig Projekt- und Feldrisiken reduzieren. Gerade bei anspruchsvollen Randbedingungen unterstützt Agnostic Hybrid damit auch eine stabilere Validierung des Bedienkonzepts.
Klare Bestätigung bei kritischen Funktionen
Nicht jede Funktion eines HMI ist gleich relevant.
Bei der Navigation durch ein Menü ist eine versehentliche Berührung meist schnell korrigiert. Bei einer Funktion wie Start, Stopp, Reset oder Parameter übernehmen sieht das anders aus.
Hier bietet die zweistufige Aktivierung einen klaren Vorteil.
Diese Zweistufigkeit könnte wie folgt aussehen:
- Identifikation der Taste (kapazitiv): Die Taste leuchtet gelb.
- Betätigung der Taste durch leichten Tastendruck (Agnostic Touch): Die Taste leuchtet grün.
Somit kann der Anwender eine Funktion zunächst auswählen und sie anschliessend bewusst bestätigen. Damit lässt sich eine eindeutige Interaktionslogik entwickeln, ohne dafür zwingend zusätzliche physische Bedienelemente vorzusehen.
Die Bedienoberfläche bleibt reduziert – die Eingabe wird kontrollierter.
Präzise Tastenflächen für kompakte Bedienfelder
Mit zunehmender Funktionsdichte entsteht eine weitere Herausforderung: aktive Tastenbereiche müssen zuverlässig voneinander abgegrenzt werden.
Denn je kompakter ein Bedienfeld wird, desto wichtiger ist die Frage:
Welche Taste wollte der Anwender tatsächlich betätigen?
Agnostic Hybrid ermöglicht klar definierte aktive Flächen. Dadurch ist die Treffsicherheit bei der Bedienung gegeben, während gleichzeitig die ergonomische Auslegung des HMI unterstützt wird.
Das betrifft beispielsweise:
- Abstände zwischen Bedienelementen
- Schutz vor Fehlbedienungen
- Bedienung mit Handschuhen
- kompakte Tastenlayouts
- eine klare und konsistente Bedienlogik
So lassen sich auch bei begrenztem Bauraum Bedienfelder realisieren, die hochwertig wirken und gleichzeitig für den Serieneinsatz ausgelegt sind.
Wie ist Agnostic Hybrid aufgebaut?
Das Prinzip lässt sich vergleichsweise einfach erklären.
Unter der Bedienoberfläche befindet sich die kapazitive Touch-Auswertung. Ergänzt wird sie durch einen Kraftsensor auf der Leiterplatte, der die bewusste Betätigung erkennt.
Je nach Anwendung kann der Aufbau beispielsweise aus folgenden Komponenten bestehen:
- Glasoberfläche
- CapTouch auf der Leiterplatte
- Kraftsensor auf der Leiterplatte
- VHB-Klebeband zur Integration
- optional einem Lichtleiter mit seitlichen LEDs
Damit werden zwei Informationen innerhalb eines Eingabesystems miteinander kombiniert:
Wo findet die Eingabe statt?
und
Wurde die Funktion bewusst betätigt?
Genau diese Kombination macht Agnostic Hybrid für anspruchsvolle Bedienkonzepte interessant.
Mehr als ein zusätzlicher Sensor
Der eigentliche Mehrwert von Agnostic Hybrid liegt deshalb nicht darin, einfach zwei Sensortechnologien miteinander zu kombinieren.
Entscheidend ist die neue Bedienlogik, die daraus entsteht.
Entwicklungsteams können genauer definieren, wann eine Funktion tatsächlich ausgelöst werden soll. Das ermöglicht robuste HMI-Konzepte für Anwendungen, bei denen Umwelteinflüsse, Fehlbedienungen oder sicherheitsrelevante Aktionen berücksichtigt werden müssen.
Gleichzeitig lässt sich die Technologie bereits früh im Entwicklungsprozess auf die konkrete Anwendung abstimmen.
Die Randbedingungen entscheiden über das HMI
Eine Eingabetechnologie kann nie losgelöst von der Anwendung betrachtet werden.
Soll das Bedienfeld mit Handschuhen funktionieren? Welche IP- oder IK-Anforderungen gelten? Mit welchen EMV-Einflüssen ist zu rechnen? Welche Umweltbedingungen muss das Produkt über seine Lebensdauer aushalten? Wie kompakt muss die Bedienoberfläche sein? Und welche Funktionen benötigen eine bewusste Bestätigung?
Solche Fragen sollten nicht erst beantwortet werden, wenn das Design bereits steht.
Bei Algra beginnt die Entwicklung deshalb bei den Anforderungen an die konkrete Anwendung. Von der Definition der Randbedingungen über erste Prototypen und Mock-ups bis zur Serienintegration kann das Bedienkonzept gemeinsam entwickelt und validiert werden.
Agnostic Hybrid für Ihr nächstes HMI?
Agnostic Hybrid ist vor allem dann interessant, wenn klassische Touch-Bedienung allein nicht die gewünschte Sicherheit und Eindeutigkeit bietet.
Die Kombination aus kapazitiver Erkennung und Force Touch ermöglicht es, Berührungen zu erkennen, Eingaben bewusst zu bestätigen und aktive Tastenflächen präzise voneinander abzugrenzen.
Das Ergebnis ist kein Touch-System, das einfach empfindlicher reagiert – sondern ein HMI, das gezielter auf die tatsächliche Bedienabsicht reagieren kann.
Sie entwickeln ein Bedienkonzept für anspruchsvolle Umgebungen?
Sprechen Sie mit unseren Engineering-Spezialisten. Gemeinsam prüfen wir Ihre Anforderungen und klären, ob Agnostic Hybrid für Ihre Anwendung die passende Lösung ist – vom ersten Design-in bis zur Serienintegration.